So oder ähnlich wenden sich die Kunden an die Innungsbetriebe des Maler- und Lackiererhandwerks
oder an die Technische Beratungsstelle des Maler- und Lackiererinnungsverbandes Westfalen.
Ich habe doch gerade erst meine Fassade neu beschichten lassen und jetzt das. So war das vorher aber nicht.
Da heißt es erstmal durchatmen und den Kunden beruhigen.
Denn das, was sich auf strukturierten Putzoberflächen in Form von kleinformatigen, krähenfußartigen Rissen zeigt, ist eine ganz normale Erscheinung. Beim Beschichtungsvorgang werden zwangsläufig unterschiedliche Mengen an Beschichtungsstoff auf dem rauen Putzuntergrund appliziert. Weniger Material auf den Putzkornspitzen, mehr Material in den Tälern. Allein schon
durch diesen Unterschied ergibt sich auch ein differenziertes Trocknungsverhalten, denn wo mehr Masse ist, dauert auch die Trocknung länger.
Wenn der Beschichtungsstoff in der Oberflächenzone deutlich schneller trocknet als am Untergrund, kommt es durch den Volumenschwund beim Durchtrocknen einer Beschichtung in den Tälern des Untergrundes geometrisch bedingt zu einer Oberflächenvergrößerung, die den Beschichtungsstoff
an der Oberfläche reißen lassen kann.
Somit kann es in den Tälern der Putzstruktur abhängig von Witterungsbedingungen zu Schwindrissen kommen. Besonders die Witterung hat einen Einfluss auf das Trocknungsverhalten der Beschichtung und damit auch auf die Schwindrissbildung. Obwohl wir die Witterung nicht beeinflussen können obliegt es
trotzdem unserer Verantwortung, gemäß den vorgegebenen Parametern der technischen Merkblätter, die Werte für Temperatur und Luftfeuchtigkeit zu beachten.
Da wir es jetzt im Herbst nicht mehr mit zu hohen Temperaturen zu tun haben, sollten wir das Thema Wind nicht außer Acht lassen. Auch hier kann, ohne zusätzliche Maßnahmen, ein zu schnelles Abtrocknen der Oberflächen zu den vor genannten Schwindrissen führen.
Worauf wir aber immer Einfluss haben ist die aufgebrachte oder aufzubringende Schichtdicke der Beschichtung. „Viel hilft viel“ ist nicht immer angesagt und kann als handwerklicher Fehler dazu beitragen,
eine Schwindrissbildung zu begünstigen.
Grundsätzlich ist aber folgendes festzuhalten und für die ausführenden Kollegen eine Diskussionshilfe: Schwindrisse in Fassadenbeschichtungsstoffen beeinträchtigen die Schutzfunktion einer Beschichtung
grundsätzlich nicht.
In Vertiefungen der Putzstruktur auftretende feine Schwindrisse und Poren sind im Oberputz und in der Beschichtung zulässig, weil sie auch bei handwerklich korrekter Ausführung von Fassadenbeschichtungsarbeiten nicht immer vermeidbar sind.
Überspitzt könnte man im Rahmen der teilweise hysterischen Vorgabe nach „atmenden Wänden“ dem Kunden nun sogar optisch zeigen, dass seine Fassade feinste Poren und Öffnungen besitzt, durch die der Wasserdampf aus seinem Gebäude nach außen gelangen kann und gleichzeitig aber kein
Regenwasser eindringen kann. Das ist natürlich nicht ernst gemeint, kann vielleicht aber mal helfen.
Bitte auch bei der Beurteilung von Schwindrissen die Betrachtung unter gebrauchsüblichen Bedingungen berücksichtigen. Dass entspricht einer realistischen Blickposition, einem angemessenen
Abstand zur Oberfläche und einer tagesüblichen Belichtung/Beleuchtung.
Sofern sich unter Beachtung der zuvor genannten Punkte die Risse trotzdem auffällig sichtbar abzeichnen, liegt hier eine optische Beeinträchtigung vor. Hierzu gibt es vom Malerverband
Niedersachsen ein Informationsblatt, welches Sie auch bei uns ([email protected]) anfordern können.
Demnächst erscheint vom Bundesverband eine neue Richtlinie dazu. Und natürlich haben wir immer noch unsere BFS-Fachregel Nr. 9.
Willi Schönenberg, TBS Maler- und Lackiererinnungsverband Westfalen
